Fachlehrerin Regina Burkhardt informiert
Wo im Haus die Keime lauern - Hygienetipps

Oberflächenreinigung

© Janina Schubert, KoHw

Auf einem Spüllappen befinden sich in der Regel wesentlich mehr Keime als im stillen Örtchen, heißt es. "Den wenigsten Menschen dürfte das so bewusst sein, aber es ist wahr", sagt Hauswirtschafterin Regina Burkhardt.

Als Fachlehrerin an der Landwirtschaftsschule, Abteilung Hauswirtschaft, bringt sie den Studierenden bei, wie sie typische Keimherde vermeiden und mit überschaubarem Aufwand hygienisch einwandfreie Verhältnisse in Küche, Bad und allen anderen Räumen schaffen.
Schädliche Bakterien
99,9 Prozent der Keime "in der freien Wildbahn" scheren sich nicht um den Menschen. Der Kontakt mit ihnen ist völlig harmlos. Im häuslichen Umfeld haben die Menschen allerdings Bedingungen geschaffen, unter denen sich auch schädliche Bakterien pudelwohl fühlen und stark vermehren können.
Das offenkundige Beispiel sind verdorbene Lebensmittel: Werden Fleisch oder Wurst schlecht, dann wächst auf ihnen das Bakterium Clostridium Botulinum. Dessen Sprossen setzen Botulinumtoxin frei, eines der stärksten Gifte in der Natur: Todesfälle waren früher weitaus häufiger als heute. Die moderne Lebensmittelverarbeitung und –lagerung hat das Vergiftungsrisiko stark reduziert.
Wo sind die Brutstätten?
Trotzdem: Im Haus hat die moderne Technik ein paar attraktive Biotope für Keime geschaffen: Der Kühlschrank gilt mit 10.000 Mikroorganismen pro Quadratzentimeter als regelrechte Keimschleuder. Noch wohler fühlen sich Bakterien auf einem feuchten Spüllappen. Da können sich bis zu 100 Millionen Keime tummeln. Im Vergleich dazu hat eine regelmäßig geputzte Toilette 30.000 Bakterien. "Das macht deutlich, was die tatsächlichen Keimschleudern sind. Hat man sie erst einmal identifiziert, kann man wirksam etwas dagegen tun", weiß Regina Burkhardt.
Sie gibt konkrete Tipps zu sinnvollen Maßnahmen, macht aber auch deutlich, was Unfug ist: "Das wichtigste Instrument für Hygiene im Haushalt ist der gesunde Menschenverstand."
Gründlich reinigen reicht
Der häufig zu beobachtende Desinfektionswahn habe damit leider wenig zu tun. "Man sollte sich die Frage stellen, was man mit der Desinfektion bezweckt. Sie dient dazu, vorhandene Keime soweit abzutöten, dass von den desinfizierten Flächen keine Ansteckungsgefahr mehr ausgeht. Eine vorbeugende Desinfektion ist aber dadurch nicht möglich."
Schon gewusst?
Regelmäßiges Desinfizieren von Toiletten und Türgriffen bringe keinen höheren Hygienestandard als die gründliche Reinigung der Gegenstände und Flächen. "Das genügt im Haushalt", sagt Burkhardt.
Dazu kommt, dass der Umgang mit Desinfektionsmitteln eine gewisse Sachkenntnis erfordert, sonst kann es zu Hautschäden und Reizungen der Atemwege kommen, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und: Ein Desinfektionsmittel ist kein Putzmittel. Es wirkt nicht gegen Schmutz, und Schmutz ist der Nährboden für Keime.
Hände eincremen
Apropos putzen: Ideal ist, wenn jeder Raum sein eigenes Tuch hat, sagt Regina Burkhardt. Und noch einen Tipp hat die Expertin: "Nicht nur nach dem Händewaschen die Hände eincremen, sondern auch davor – als Schutz für die Haut."

So wird alles richtig sauber

Tipps von Regina Burkhardt:

Waschen

Früher wurde die Wäsche im Kessel bei 95 Grad gekocht, heute setzt man umweltschonend auf 30 Grad und sanfte Waschmittel - zu wenig, um Keimen den Gar aus zu machen. Bett- und Unterwäsche, Handtücher und Putzlappen sollten regelmäßig mit 60 Grad und mit Waschmitteln gewaschen werden, die Bleichstoffe enthalten. Dann reduziert die Wäsche die Zahl der Keime nachweisbar.
Wichtig für die Hygiene und oft vergessen:
Reinigung der Waschmaschine! Regina Burkhardt rät: Restwasser im Dichtungsgummi der Türe auswischen, Waschmittelschublade und Türe offen lassen, damit die Restfeuchte abtrocknet.

Küche

Feucht, warm, Lebensmittelreste: Aus der Sicht eines Bakteriums ist die Küche ein Paradies. Vor allem die Spüle und Behälter für Bioabfall schaffen einen idealen Nährboden für alle Arten von Keimen. Lappen sollte man nach der Benutzung gut ausspülen und gründlich auswringen, dann luftig zum Trocknen aufhängen. In der Spülmaschine regelmäßig die Abflusssiebe reinigen und den "Sumpf" durchspülen. In diesem Restwasser halten sich oft Fett und andere Speisereste – ein idealer Nährboden für Keime.

Toilette

Man kann es kaum glauben: Weder WC noch WC-Bürste sind erste Wahl für Keime: Hier wird oft mit viel Wasser gespült, es wird Putzmittel eingesetzt. Bakterien oder auch Pilze(Schimmel) siedeln viel lieber da, wo seltener geputzt wird: auf senkrechten Wänden in der Dusche, auf Fliesenfugen, am Duschvorhang.

Studieren an der Hauswirtschaftsschule

Der Studiengang Hauswirtschaft der Landwirtschaftsschule am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach lehrt, einen Haushalt fachkundig zu führen. Der nächste Studiengang beginnt am 24. September 2020. Bewerbungen sind bis 14. August möglich.

Landwirtschaftsschule, Abteilung Hauswirtschaft, Kulmbach

Quelle: Interview von Dagmar Besand, Bayerische Rundschau, mit Fachoberlehrerin Regina Burkhardt