Düngung und gesetzliche Grundlagen

Düngung

© mirpic - fotolia.com

Die Düngegesetzgebung wurde umfassend novelliert. Neben der neuen Düngeverordnung (DüV) sind für bestimmte Betriebe zusätzliche Vorgaben zum Inverkehrbringen von Wirtschaftsdüngern oder zur Erstellung einer betrieblichen Stoffstrombilanz relevant.

Ausführliche Informationen stehen unter den angegebenen Links auf den Internetseiten der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zur Verfügung.

Sperrfristen 2020/2021 in Oberfranken

In Oberfranken gelten folgende Sperrfristen:
  • Für Grünland, Dauergrünland, mehrjähriger Feldfutterbau gilt die Sperrfrist von 15.11.2020 bis 14.02.2021.
  • Auf Ackerland mit Zwischenfrucht, Winterraps (Aussaat bis 15.09.2020), Wintergerste nach Getreidevorfrucht (Aussaat bis 01.10.2020) begann die Sperrfrist am 01.10.2020. Sie endet mit Ablauf des 31.01.2021.
  • Auf dem restlichen Ackerland begann die Sperrfrist bereits mit der Ernte der letzten Hauptfrucht. Sie endet mit Ablauf des 31.01.2021.
Die Verschiebung der Sperrfrist gilt nicht für weiterreichende Auflagen in Wasserschutzgebieten.
Für Flächen, die sich in angrenzenden Regierungsbezirken bzw. Bundesländern befinden, gilt die Sperrfrist des jeweiligen Regierungsbezirkes bzw. Bundeslandes.

Änderung der Düngeverordnung

Änderung der Düngeverordnung 2020

Am 01.05.2020 traten die Änderungen der Düngeverordnung in Kraft. Grundsätzlich gelten für 2020 die Vorgaben der Düngeverordnung von 2017 mit folgenden wichtigen Änderungen für die Landwirte ab sofort:
  • Wegfall der Nährstoffbilanz, stattdessen Aufzeichnung der tatsächlichen Düngung innerhalb von 2 Tagen nach der erfolgten Düngung:
    • Neben der Schlagbezeichnung, Bewirtschaftungseinheit und der Schlaggröße sind die Düngerart, die Ausbringmenge und die Gesamtmenge des ausgebrachten Stickstoffs und des Phosphats aufzuzeichnen.
    • Bei Weidehaltung ist die Zahl der Weidetage sowie die Art und Zahl der Tiere nach Abschluss der Weidehaltung aufzuzeichnen.
    • Die Aufzeichnungen können formlos (z.B. handschriftlich) erfolgen (siehe Muster-Formblatt). Ab 2021 wird die Aufzeichnung direkt in der EDV-Anwendung zur Düngebedarfsermittlung der LfL möglich sein.
  • Erweiterung der Sperrfristen für Festmist von Huf- und Klauentieren und Kompost (1.12.-15.01.)
  • Neue Sperrfrist für Phosphatdünger mit mehr als 0,5 % Phosphat in der Trockenmasse (1.12.-15.01.)
  • Begrenzung der Düngung von Grünland und mehrjährigem Feldfutterbau mit flüssigen organischen Düngern auf 80 kg N/ha ab 01.09.
  • Erweiterung der Gewässerabstände bei zum Gewässer hin geneigten Flächen

Rote Gebiete, Grüne Gebiete

Ausführungsverordnung Düngeverordnung

Die Düngeverordnung verpflichtet die Bundesländer in Gebieten mit einer hohen Nitratbelastung des Grundwassers (sogenannte "rote Gebiete") per Landesverordnung zusätzliche Auflagen bei der Düngung zu erlassen. Die roten Gebiete werden bis Ende 2020 neu ausgewiesen.
Bis zur Neuausweisung und damit für die ganze Düngesaison 2020 gelten in den bestehenden roten Gebieten die bisherigen drei Auflagen (Bodenstickstoff- und Wirtschaftsdüngeruntersuchung sowie erweiterte Gewässerabstände). Die zusätzlichen bundesweit einheitlichen Vorgaben für die roten Gebiete sind dann 2021 umzusetzen.

WICHTIG: Befreiung von den zusätzlichen Maßnahmen entfällt!

    Die bisher gewährten Befreiungen aus folgenden Gründen

    • Kontrollwerten in der Nährstoffbilanz < 35 kg N/ha
    • KULAP-Maßnahme B10 "Ökologischer Landbau im Gesamt-Betrieb"
    • KULAP-Maßnahmen B28-B39
    • Kooperation mit Wasserversorgern
    können durch den Wegfall des Nährstoffvergleichs und die Unvereinbarkeit mit dem Beihilferecht aus Sicht der EU-Kommission nicht mehr gewährt werden.
    Daher sind ab 1. Mai 2020 auch diese bisher befreiten Betriebe zu den zusätzlichen drei Maßnahmen auf nitratgefährdeten Feldstücken verpflichtet.
    Bestimmte Betriebe in wenig belasteten Gebieten (sogenannte "grüne Gebiete") können im Gegenzug Erleichterungen erhalten. Aufgrund der unterschiedlichen individuellen Betroffenheit erhalten Landwirte im iBALIS ausführliche betriebsbezogene Informationen.

    Übersicht zur Düngung

    Bedarfsgerechte Düngung und optimale Nährstoffausnutzung im landwirtschaftlichen Betrieb sind die Basis für eine optimale Pflanzenentwicklung sowie langfristig gesunde Böden und den Schutz unserer natürlichen Ressourcen. Dazu muss der betriebliche Nährstoffkreislauf ausgewogen sein. Neben der Düngeverordnung (DüV) geben die Stoffstrombilanzverordnung (StoffBilV) und die Wirtschaftsdüngerverbringungsverordnung (WDüngV) den rechtlichen Rahmen hierfür vor.
    Nachfolgend sind hierzu die wichtigsten Vorgaben im Verlauf der Düngesaison aufgeführt. Ausführliche Informationen stehen unter den angegebenen Links auf den Internetseiten der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zur Verfügung.

    Vor der Düngung

    Bereits vor der Düngung und zur Planung am Jahresanfang sind zu beachten:

    Kalkulation der organischer Dünger (Grenze 170 kg N/ha)

    Mit organischen und organisch-mineralischen Dünger darf im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Flächen eines Betriebs nur so viel Stickstoff (N) ausgebracht werden, dass 170 kg N/ha und Jahr nicht überschritten werden.

    Berechnung organischer Dünger (Grenze 170 kg N/ha) - LfL Externer Link

    Einhaltung des Lagerkapazität für organische Dünger

    Die im Betrieb vorhandenen Wirtschaftsdünger und Gärreste müssen über festgesetzte Zeiten gelagert werden können. Für eine ordnungsgemäße Lagerung sind entsprechend große Kapazitäten nachzuweisen.

    Lagerraumkapazität für organische Dünger - LfL Externer Link

    Aufzeichnungs- und Meldeplicht bei Auf- oder Abgabe von Wirtschaftsdüngern

    Beim Abgeben, Befördern und/oder Aufnehmen von mehr als 200 Tonnen organischem Dünger pro Jahr sind die Vorgaben der Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsdünger (WDüngV) zu beachten.

    Vorgaben der Verbringungsverordnung - LfL Externer Link

    Berechnung der Düngebedarfsermittlung für Stickstoff und Phosphat

    Die Düngebedarfsermittlung für Stickstoff und Phosphat (DüV) ist für jede Kultur und alle Schläge bzw. Bewirtschaftungseinheiten schriftlich zu erstellen. Ausgenommen sind lediglich kleine Betriebe unter bestimmten Voraussetzungen.

    Programm zur Düngebedarfsermittlung - LfL Externer Link

    Ziehen von Materialproben für Laboruntersuchungen

    DüV und Stoffstrombilanzverordnung geben verschiedene Kennzahlen und Basisdaten für die Berechnungen vor. Es können und teilweise müssen (Rote Gebiete) aber auch eigene Untersuchungen von Materialproben durchgeführt werden.

    Anleitung zum Ziehen von Materialproben - LfL Externer Link

    Bei der Düngung

    Bei der Düngung sind zu beachten:

    • Eine Ausbringung auf überschwemmtem, wassergesättigtem, schneebedecktem oder gefrorenem Boden ist verboten.
    • Vorgaben zur Gerätetechnik
    • Regelungen zur Einarbeitung von Düngemitteln
    • Abstände zu Oberflächengewässern
    • Sperrfristen

    Aktivierung erforderlichYouTube-Logo

    Durch das Klicken auf diesen Text werden in Zukunft YouTube-Videos im gesamten Internetauftritt eingeblendet.
    Aus Datenschutzgründen weisen wir darauf hin, dass nach der dauerhaften Aktivierung Daten an YouTube übermittelt werden.
    Auf unserer Seite zum Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und können diese Aktivierung wieder rückgängig machen.
    Bodennahe Gülleausbringung in Feldversuchen zur angepassten organischen Düngung

    Nach der Düngung

    Aufzeichnung Düngemaßnahmen

    Innerhalb von zwei Tagen müssen erfolgte Düngemaßnahmen aufgezeichnet werden. Die Aufzeichnungen umfassen neben der Schlagbezeichnung und der Schlaggröße die Düngerart, die Ausbringmenge und die Gesamtmenge des ausgebrachten Stickstoffs und Phosphats. Bei Weidehaltung ist die Zahl der Weidetage sowie die Art und Zahl der Tiere nach Abschluss der Weidehaltung aufzuzeichnen. Bis zum Ablauf des 31. März des Folgejahres müssen die aufgebrachten Mengen dann zu einer jährlichen betrieblichen Gesamtsumme des Nährstoffeinsatzes zusammengefasst werden. Ebenso muss der ermittelte Düngebedarf einer jährlichen betrieblichen Gesamtsumme des Düngebedarfs zusammengefasst werden.

    Berechnung Nährstoffvergleich und Stoffstrombilanz

    Der Nährstoffvergleich ist nicht mehr Inhalt der Düngeverordnung und somit zum 01. Mai 2020 weggefallen. Zur betrieblichen Orientierung kann es aber hilfreich sein, den Nährstoffvergleich zu rechnen. Im Hinblick auf die Stoffstrombilanz empfiehlt es sich für alle Betriebe, die Nährstoffe jährlich zu bilanzieren. Die Erstellung der Stoffstrombilanz ist schon jetzt für bestimmte Betriebe Pflicht.

    Nährstoffvergleich und Stoffstrombilanz im landwirtschaftlichen Betrieb - LfL Externer Link

    Allgemeinverfügung

    Allgemeinverfügung zur Genehmigung von Ausnahmen von der bodennahen Ausbringtechnik
    Für den Regierungsbezirk Oberfranken hat das zuständige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg – Fachzentrum Agrarökologie – eine Allgemeinverfügung zur Genehmigung von Ausnahmen von der bodennahen Ausbringtechnik erlassen. Sie gilt ab 1. Februar 2020.
    Nach § 6 Abs. 3 Satz 1 Düngeverordnung (DüV) dürfen flüssige organische und flüssige organisch-mineralische Düngemittel, einschließlich flüssiger Wirtschaftsdünger, mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff im Falle von bestelltem Ackerland ab dem 1. Februar 2020 nur noch streifenförmig auf den Boden aufgebracht oder direkt in den Boden eingebracht werden. Davon sind Ausnahmen möglich, die mit der Allgemeinverfügung des zuständigen Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg – Fachzentrum Agrarökologie – genehmigt werden:
    a. Gemäß § 6 Abs. 3 Satz 3 DüV wird als anderes Verfahren mit vergleichbar geringen Ammoniakemissionen die Ausbringung von Jauche sowie von anderen flüssigen organischen Düngemitteln, einschließlich Wirtschaftsdüngern, mit bis zu zwei Prozent Trockensubstanzgehalt (TS-Gehalt) genehmigt.
    b. Eine Ausnahme von § 6 Abs. 3 Satz 1 DüV wird aufgrund folgender agrarstruktureller Besonderheiten erteilt:

    Kleine Betriebe mit weniger als 15 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF). Zur Ermittlung dieser Grenze können nachfolgend genannte Flächen abgezogen werden:

    • Flächen, auf denen nur Zierpflanzen oder Weihnachtsbaumkulturen angebaut werden, Baumschul-, Rebschul-, Strauchbeeren- und Baumobstflächen, nicht im Ertrag stehende Dauerkulturflächen des Wein- und Obstbaus sowie Flächen, die der Erzeugung schnellwüchsiger Forstgehölze zur energetischen Nutzung dienen (entsprechend § 8 Abs. 6 Nr. 1 DüV)
    • Flächen mit ausschließlicher Weidehaltung bei einem jährlichen Stickstoffanfall (Stickstoffausscheidung) an Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft von bis zu 100 Kilogramm Stickstoff je Hektar, wenn keine zusätzliche Stickstoffdüngung erfolgt (entsprechend § 8 Abs. 6 Nr. 2 DüV)
    • Grünlandflächen mit einer Hangneigung von mehr als 20 Prozent auf mehr als 30 Prozent eines Feldstücks
    • Streuobstwiesen
    Die Genehmigung der Ausbringung von flüssigen organischen Düngemitteln, einschließlich Wirtschaftsdüngern, mit bis zu zwei Prozent TS-Gehalt nach Buchstabe a) setzt voraus, dass die Einhaltung des TS-Gehaltes der Düngemittel jederzeit nachgewiesen werden kann. Hierfür ist die erforderliche Lagerkapazität für die flüssigen organischen Düngemittel einschließlich des ggf. zugegebenen Wassers über das Programm zur Lagerraumberechnung der Landesanstalt für Landwirtschaft nachzuweisen:

    www.lfl.bayern.de/lagerkapazitaet Externer Link

    Zusätzlich ist das Düngemittel im Labor zu untersuchen. Das Untersuchungsergebnis darf bei der Ausbringung nicht älter als 2 Jahre sein. Für Jauche ist keine Untersuchung erforderlich.

    Allgemeinverfügung Ausbringtechnik Oberfranken pdf 1,1 MB

    Mehr zum Thema
    Weitergehende und aktuelle Informationen zur Düngung bieten die Internetseiten der LfL.